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Jahrestagung des DNVD e.V. in UlmUlm, 11. September 2004 (anläßlich der Jahrestagung): Der DNVD ist eine im Jahre 1992 in Bielefeld gegründete Dachorganisation der Naturwissenschaftlichen Vereine oder Naturforschenden Gesellschaften in Deutschland, die in den Bereichen der naturkundlichen Bildung, der naturwissenschaftlichen Regionalforschung und des Naturschutzes seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bis in die jüngste Zeit hinein gegründet worden sind. Viele dieser Vereinigungen haben sich große Verdienste als Pioniere des ehrenamtlichen bürgerschaftlichen Engagements in diesen Bereichen erworben. Eine von ihnen ist der Ulmer Verein für Naturwissenschaften und Mathematik, der im Jahre 1865 gegründet worden ist. Er hat den DNVD zu seiner diesjährigen, besonders wichtigen Jahrestagung nach Ulm eingeladen, wo wir gestern u.a. vom Oberbürgermeister begrüßt worden sind. Eine Besonderheit dieser Vereine ist ihre zumeist enge Verbindung mit einem örtlichen naturwissenschaftlichen Museum und zu den jeweiligen Hochschulen. Die gemeinsame Forschungs- und Bildungsarbeit von Profis und erfahrenen Laien ist eines ihrer Markenzeichen. Heute stehen sie freilich oft im Schatten anderer, jüngerer Vereinigungen und werden zu Unrecht von den großen Medien kaum beachtet, obwohl in ihnen nach wie vor die besten Sachkenner der jeweiligen Fachgebiete tätig sind. Der DNVD ist angetreten dazu beizutragen, dies zu ändern und Gesellschaft und Politik auf die Bedeutung der Arbeit in diesen Vereinigungen für das Gemeinwohl aufmerksam zu machen. Hierzu wandelt er sich gegenwärtig selbst von einem Dachverband alter Art zu einem flexibleren modernen Netzwerk dieser Vereinigungen. In Ulm stand diese Reform des DNVD im Mittelpunkt der Beratungen mit den Mitgliedsvereinen. Der Vorstand des DNVD möchte aus Anlass seiner Ulmer Jahrestagung auf drei Punkte hinweisen, die in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskussion in Deutschland eine wichtige Rolle spielen, zu denen die naturwissenschaftlichen Vereinigungen bedeutende Beiträge geleistet haben und leisten. Sie betreffen a) die Debatte um die Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung, b) die Debatte um die Notwendigkeit der Verbesserung von Bildung und Ausbildung und c) die Debatte um das Problem der öffentlichen Finanzen. Nachhaltigkeit: Es ist seit der Konferenz von Rio 1992 heute allgemein anerkannt, dass wir unsere globale Ökonomie in Richtung auf eine umfassend nachhaltige Entwicklung wandeln müssen. Dies ist nicht nur eine Herausforderung von Wirtschaft und Industrie, sondern auch jedes einzelnen Menschen, seine Lebensweisen zu überdenken und neu einzurichten. Was das konkret für ihn bedeutet, muss jeder einzelne erfahren. Das hat viel mit einem vertieften Verständnis der Zusammenhänge zwischen Natur und Kultur zu tun. Es sind die natürlichen Ökosysteme, die uns vormachen, wie man mit verfügbarer Energie auskommt und haushält, wie man alles verwertet und recycelt und jeglichen Abfall oder Müll vermeidet. – Die Naturwissenschaftlichen Vereinigungen erforschen diese Zusammenhänge in ihrer jeweiligen Region und führen sie seit Generationen in Exkursionen, Vorträgen, Arbeitsgemeinschaften in lebensnaher Weise allen denen vor Augen, die daran teilnehmen. Dies ist eine seit langem geleistete, leider wenig beachtete, anerkennenswerte Basisarbeit zur Einsicht in die Notwendigkeit und die Strategien nachhaltiger Entwicklung. Bildung: Spätestens seit dem PISA-Schock gibt es eine breite Bildungsdebatte in Deutschland. Sie wird meistens nur auf die Schulen und Hochschulen bezogen. Dabei wird übersehen, welchen Beitrag Nichtregierungsorganisationen zur Breitenbildung und zur Ausbildung von Spezialisten leisten. Man sieht das an dem eben genannten Beispiel, aber es gibt viele weitere. Speziell in den Naturwissenschaften gibt es einen großen allgemeinen Bedarf an Bildung und Weiterbildung, weil dort die Fachsprachen Experten und Laien besonders scharf voneinander trennen. Die Naturwissenschaftlichen Vereine sind stets Mittler zwischen ihnen gewesen; sie erklären und dolmetschen, was ansonsten meist unverstanden bleiben muss. Es sollte anerkannt werden dass wir ohne diese breite Bildungsarbeit auf diesen Feldern noch schlechter dastünden. Öffentliche Finanzen: Die öffentlichen Aufgaben wachsen, aber die öffentlichen Kassen sind leer. Speziell im Umweltbereich sind auf die zuständigen Behörden durch die Gesetzgebung auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene in den letzten zwanzig Jahren sehr viele neue Aufgaben zugekommen (Bestandsaufnahmen, Aktualisierung der Datenkataster, Kartierungspflichten, landschaftsbezogene Pflege- und Entwicklungspläne, Monitoringaufgaben u.a.m.), die sowohl ihre personellen wie sachbezogenen Kapazitäten weitgehend überfordern. Für einen entsprechenden Ausbau fehlt das Geld. Dies aber heißt, dass der ehrenamtlichen Arbeit und Zuarbeit in den entsprechenden Vereinigungen, die früher eher eine Privatsache zu sein schien, heute eine zentrale Bedeutung zukommt, und hierbei spielen die Naturwissenschaftlichen Vereine eine sehr wichtige Rolle. Ohne diese ehrenamtlich geleistete Arbeit der Fachkenner der verschiedensten Sachgebiete in unseren Vereinen könnten die öffentlichen Hände einen erheblichen Teil der neuen Aufgaben, die sie leisten müssen, nicht erfüllen. Auch dies sollte deutlicher wahrgenommen werden. Alle diese Beispiele zeigen, dass die heute wenig beachteten Naturwissenschaftlichen Vereine kein rückwärtsgewandtes Naturverständnis haben, keine gegenwartsferne Wissenschaft betreiben und nicht etwa nur die Hobbys einiger Spezialisten kultivieren, sondern allgemein wichtige Grundlagenarbeit in Bezug auf aktuelle gesellschaftliche Aufgaben leisten. Der DNVD ist angetreten, der Öffentlichkeit diese ihre Rolle zu erläutern und vor Augen zu führen, damit sie als das anerkannt wird, was sie ist: ehrenamtliche Arbeit für das Gemeinwohl der Gesellschaft.
Falls Sie Fragen haben, oder weitergehende Informationen benötigen, finden Sie weitere Kontaktmöglichkeiten auf unserer Kontaktseite. |
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